Guy Nattiv, USA, 2019o

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L'hsitoire vraie de Bryon “Pitbull” Widner, membre d'un gang de néo-nazis qui fera face à des conséquences mortelles lorsqu'il décidera de changer de vie.

Véritable choc émotionnel, Skin dénonce avec vigueur la présence des groupuscules extrémistes et néo-nazis aux États-Unis, mais sans pour autant nier la possibilité d’un pardon. Jamie Bell y est extraordinaire dans le rôle de Bryon Widner !

La Rédaction

Der einstige Kinderstar Jamie Bell spielt mit beeindruckend Präsenz und kahlrasiertem Schädel den Ziehsohn eines überzeugten US-Neonazi-Clans: Aber Bryon Widner will aussteigen aus diesem Leben zwischen Hass und Gewalt, das sich auch auf seiner Haut manifestiert. Wie langwierig und schmerzhaft die Entfernung der White-Supremacy-Tattoos ist, und viel mehr noch der Abschied aus dem einzigen Dasein, das man je gekannt hat, davon erzählt der israelische Regisseur Guy Nattiv in seinem englischsprachigen Debüt: dramaturgisch bisweilen etwas holprig, vor allem dank Bell aber elektrisierend.

Annett Scheffel

Symbolkräftig inszeniert der israelische Regisseur Guy Nattiv die wahre Geschichte in seinem ersten US-Spielfilm. Dabei nutzt er die Wucht seiner Geschichte voll aus, unterstützt von guten Darstellerinnen und Darstellern. Allen voran Jamie Bell (Billy Elliot), den man hinter den Tätowierungen zuerst kaum erkennt.

Matthias Lerf

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Le Bleu du Miroir, 08/10/2019
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The Guardian, 09/09/2018
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Variety, 07/09/2018
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06/10/2019
Raus aus seiner Haut

Der Film "Skin" zeigt den Ausstieg eines jungen Mannes aus dem Nazi-Klan White Supremacy - eine Geschichte nah an der gegenwärtigen Stimmung in den USA. Das Drama aus der US-Naziszene ist der erste englischsprachige Spielfilm des israelischen Regisseurs Guy Nattiv. Besonders die Performance des Hauptdarstellers Jamie Bell wirkt in dem Filmdrama elektrisierend.

De Annett Scheffel 

Bryon Widner sitzt im Bad, nackt und nass und mit kahlrasiertem Schädel, auf dem geschlossenen Toilettendeckel. Als hätte er nirgends einen anderen Platz gefunden, an dem er für einen Moment Ruhe hat von diesem Leben zwischen Hass und Gewalt, in das er hineingewachsen ist, und an dem er - bis jetzt - nie gezweifelt hat. Manifestiert hat sich dieses Leben auch auf seiner Haut. Gesicht und Körper sind über und über bedeckt mit Runen, Hakenkreuzen und anderen kruden Codes, die in seiner rechtsterroristischen Splittergang als Orden für Gewalttaten verteilt werden. Auf seiner Brust prangt in martialischen Lettern: "Blood & Honour".

Sein Ziehvater hat ihn gerade von der Polizei abgeholt. Die hatte ihn verhaftet, weil er nach einem Naziaufmarsch einen jungen afroamerikanischen Gegendemonstranten fast zu Tode geprügelt hatte. Jamie Bell spielt diesen Moment der Rückkehr in seine Skinhead-Ersatzfamilie mit beeindruckender physischer Präsenz, Selbsthass und der Angespanntheit eines zweifelnden jungen Mannes, die man dem einstige Kinderstar gar nicht zugetraut hätte.

Die Figur des Bryon Widner basiert auf einer wahren Geschichte, die Guy Nattiv bereits in einem dokumentarischen Kurzfilm festgehalten hat. Dramaturgisch bisweilen etwas holprig, aber - vor allem dank Bells Auftritt - auch elektrisierend, erzählt der israelische Regisseur nun in seinem ersten englischsprachigen Spielfilm die Geschichte dieses schwierigen Entrinnens noch einmal ausführlicher. Für Bryon Widner bedeutete sie nicht nur den Abschied aus dem rechten Milieu, sondern aus dem einzigen Dasein, das er je gekannt hatte. Der "Vinländer's Social Club", in den ihn sein demagogischer Ziehvater Fred unter Zuhilfenahme von viel Alkohol, Drogen, kaltschnäuziger Gewalt und ideologischer Hetze einst eingeführt hat, haust auf einem heruntergekommenen Bauernhof in Amerikas Herzland. Von hier aus plant Fred mit seinen befehlshörigen Anhängern kleine und große Aktionen. Einmal fahren sie stundenlang durch die Nacht, um am anderen Ende von Ohio eine Moschee abzufackeln. Aussteigen ist eine Option, die in den Statuten des "Social Club" alles andere als vorgesehen ist.

Das einzige Dasein, das er je gekannt hat, manifestiert sich auf seiner Haut

"Skin" passt erschreckend gut in unsere Zeit und die gegenwärtige Stimmung Amerikas, wo die noch vor ein paar Jahren erstaunlich unsichtbare Masse der White Supremacists, der Wütenden und gewaltbereiten Ewiggestrigen, immer deutlicher hervortritt, wie etwa bei den Ereignissen von Charlottesville 2017. Ein tätowierter Neonazi auf der Leinwand ist längst nicht mehr das fremdartige Schreckgespenst, das Edward Norton vor gut zwanzig Jahren in "American History X" spielte, sondern ein Ausdruck bizarrer Normalität.

Man muss es Nattiv hoch anrechnen, dass er auch davon erzählen will, wie diese Dynamiken funktionieren, mit denen junge Leute ideologisch verführt werden. Leider ist gerade die Inszenierung dieses Handlungsstrangs, die in Gestalt des Neueinsteigers Gavin abgehandelt wird, dramaturgisch eher unelegant. Etwas ungelenk mutet bisweilen auch die Liebesgeschichte mit der alleinerziehenden Mutter Julie an, die Bryon endgültig zum Ausstieg bewegt und den Film in der zweiten Hälfte etwas zu sehr in Richtung eines konventionellen Melodramas gleiten lässt. Mehr hätte man sich dagegen von dem afroamerikanischen Aktivisten Daryle Jenkins gewünscht, der Bryon ebenfalls hilft.

Stark ist der Film in den Momenten, in denen er sich auf den langwierigen und schmerzvollen Prozess der Transformation konzentriert. Bryons tätowierte Haut ist hier eine Metapher für seine innere Verwandlung, aber auch ganz konkret der Schauplatz einer äußeren: Nattiv gliedert seinen Film, indem er die Handlung immer wieder mit Szenen unterbricht, in denen in einer qualvollen Prozedur ein Tattoo entfernt wird. Die Kamera folgt dem stöhnenden Bryon auf die Operationstische seiner zahllosen Behandlungen, und sie folgt den knallenden Schüssen des Lasergeräts, das die Zeichen seines alten Lebens aus der geröteten Haut brennt. Der Takt der Laserschüsse und das Zischen der versehrten Haut hallen so schmerzhaft in den Ohren nach, dass diese Szenen zu den intensivsten gehören, die "Skin" zu bieten hat - trotz aller Gewaltorgien, die man sonst noch sieht. Es sind Szenen, die zum Kern der Geschichte weisen: Die Abnabelung von einem alten Leben tut mehr weh als alle Schläge der Welt.

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Neue Zürcher Zeitung, 23/07/2019
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13/08/2017
Wer Amerikas Rechtsextreme sind

Ku-Klux-Klan trifft auf Alt-Right-Bewegung: Alte und neue Rechte treten in den USA zunehmend laut und selbstbewusst auf. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

De Jana Anzlinger und Veronika Wulf 

Wer sind Amerikas Rechtsextreme?

In Charlottesville trafen sich verschiedene rechtsextreme Gruppen, um gemeinsam für das zu demonstrieren, was sie "White Supremacy", "weiße Vorherrschaft", nennen. "Unite the Right", "Vereint die Rechte", lautete das Motto ihrer Proteste. Ihre rassistische Ideologie basiert auf der Vorstellung, dass Weißen mehr Macht zustehe als Menschen anderer Hautfarbe. Sie verteilen sich jedoch auf veschiedene Untergruppen.

Organisiert haben den Protest Anhänger der Alt-Right-Bewegung. Der Name steht für "Alternative Rechte" und ist im Grunde ein verharmlosender Ausdruck für das ultrarechte politische Spektrum. Die Bewegung organisiert sich in Internetforen. Inzwischen haben sich viele kleine Gruppen gebildet, die sich zum Beispiel "Proud Boys" nennen. Einige davon geben sich hip und sind mit Europas Identitären vergleichbar.

Weiße Kutten, Fackeln und Lynchmorde: Solche Bilder scheinen vergangenen Zeiten zu entstammen. Gewütet hat der Ku-Klux-Klan vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Doch es gibt ihn auch heute noch, er soll zwischen 5000 und 8000 Mitglieder haben.

Hitlergruß und Hakenkreuz sind in den USA nicht verboten. Entsprechend leicht sind Neonazis zu erkennen. Sie idealisieren das Dritte Reich, propagieren Judenhass und relativieren den Holocaust. Ihre Organisationen und Parteien heißen zum Beispiel "American Nazi Party" oder "National Alliance".

Die Neo-Confederates wollen zu dem System zurück, in dem die Gesellschaft vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg lebte. Sie sehen die Südstaaten als Opfer des Nordens, der sie zwang, die Sklaverei abzuschaffen. Sie sind nicht nur rassistisch, sondern auch homophob und frauenfeindlich.

Wer sind ihre Anführer und Sprachrohre?

Den Begriff Alt-Right soll Richard Spencer erfunden haben. Der Chef eines nationalistischen Thinktanks bezeichnet sich selbst als "Identitären". Seine Reden beendet er auch mal mit "Heil Trump! Heil Volk! Sieg Heil!".

David Duke ist ein ehemaliger Anführer des Ku-Klux-Klans. Er hat die Demonstration in Charlottesville mitorganisiert und schwärmte währenddessen: "Das ist ein Wendepunkt für unsere Leute in diesem Land. Wir sind entschlossen, uns unser Land zurückzuholen. Wir werden die Versprechen von Donald Trump erfüllen. Das ist, an was wir glauben. Das ist, warum wir Donald Trump gewählt haben. Weil er gesagt hat, dass er uns unser Land zurückgibt."

Als Internet-Troll Karriere gemacht hat Tim Gionet. Unter dem Pseudonym "Baked Alaska" hetzt er online gegen Minderheiten und stellt weiße Männer als Unterdrückte dar.

"Chemikalien im Wasser machen die verdammten Frösche schwul!" Einer der meistzitierten Sätze von Alex Jones klingt zwar witzig, ist aber ein Beispiel für die Verschwörungstheorien, die Jones in seiner Sendung "Info Wars" propagiert. Die Schuld an der Gewalt in Charlottesville gibt er linken Organisationen und Bürgerrechtsbewegungen wie "Black Lives Matter".

Als Beispiel für einen ultrarechten, aber modernen Wortführer gilt Milo Yiannopoulos. Der Autor hat mehrmals die Alt-Right-Bewegung verharmlost und sich frauenfeindlich geäußert. Weil er Kindesmissbrauch bagatellisierte, musste er seinen Job bei der rechtspopulistischen Meinungsplattform Breitbart News verlassen.

Sein Chef und einer seiner frühen Förderer war Steve Bannon. Der ehemalige Filmproduzent hat Breitbart News mitgegründet und von 2012 bis 2016 geleitet. In dieser Zeit baute er die Website zur "Plattform für die Alt-Right", so Bannon wörtlich, aus. Inzwischen ist er Chefstratege im Weißen Haus und damit einer der wichtigsten Köpfe in der Umgebung von Präsident Trump.

Warum wirken sie jetzt so stark?

Frauen, die Karriere machen, schwarze Studenten auf dem Campus, Transmenschen im Militär: Manche Menschen machen diese Fortschritte wütend. Ökonomisch und sozial Abgehängte schieben ihre Probleme darauf, dass Minderheiten sie "verdrängen". Vor allem die Alt-Right gilt als Anlaufstelle für junge Männer, die vorher nicht zur extremen Rechten gehörten. In den vergangenen Jahren haben sie einen Raum gefunden, um sich auszutauschen: Internetforen, in denen rassistische Memes geteilt werden, "Political Correctness" als Schimpfwort gilt und gelegentlich für Donald Trump geworben wird.

Trump hat damit Wahlkampf gemacht, die weiße Mehrheit anstelle von Minderheiten zu fördern. Die Rechten, die Trump dadurch mobilisiert hat, fühlen sich durch seine Wahl in ihrer Ideologie bestätigt. Und treten womöglich deswegen immer lauter und selbstbewusster in Erscheinung.

Wann trat die "weiße Vorherrschaft" international in Erscheinung?

Der Ausdruck "White Supremacy" ging erstmals 2015 um die Welt, als ein 21-Jähriger in einer Kirche in Charleston im Bundesstaat South Carolina neun Schwarze erschoss. Der Attentäter Dylann Roof bezeichnete sich selbst als Rassisten, er hatte vor der Tat ein Manifest der "Weißen Vorherrschaft" im Internet veröffentlicht. Er zeigte sich offen mit der Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika, jenen Südstaaten, die lange an der Sklaverei festgehalten hatten und darüber in einen Krieg mit den Nordstaaten eingetreten waren.

Als Reaktion auf das Attentat verbannte der Bundestaat South Carolina die Konföderierten-Flagge, die bis dahin vor dem Parlament geweht hatte. Das löste eine bundesweite Debatte aus zum Umgang mit Fahnen und Denkmälern, die an die Konföderierten Staaten erinnern - und rief gleichzeitig die Ultrarechten auf den Plan. Für sie ist die Fahne ein Symbol ihrer Wunschwelt, in der weiße Menschen den anderen überlegen sind. In Charlottesville erregten sich die Rechtsextremen über die Entscheidung der Stadt, eine Statue des Kriegsgenerals Robert E. Lee zu entfernen. Lee befehligte die Truppen der Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg und war Verfechter der Sklaverei.

Welches Verhältnis hat Trump zu den Rechten?

Seine ablehnende Haltung gegenüber Minderheiten und sein polterndes "Make America Great Again" hat Donald Trump bei den Ultrarechten beliebt gemacht und rechten Gruppierungen neuen Aufschwung gegeben. Schon im Wahlkampf hat er es lange vermieden, sich klar vom Applaus von rechts zu distanzieren. Schließlich hatte er mit der Alt-Right-Bewegung eine große Unterstützergruppe, die er nicht verlieren wollte.

Auch das rechtspopulistische Nachrichtenportal Breitbart stand im Wahlkampf auf Trumps Seite. Zwei Breitbart-Mitarbeiter holte sich Trump, sobald er Präsident war, als Chefstrategen und Berater ins Weiße Haus: Steve Bannon und Sebastian Gorka. Trump scheint es egal zu sein, von wem die Unterstützung kommt. Auch den Zuspruch des Rassisten und früheren Ku-Klux-Klan-Führers David Duke ließ er zunächst zu. Er kenne diese Gruppe nicht, deshalb könne er sie nicht verurteilen, sagte Trump. Anfang des Jahres zögerte Trump lange, mehrere Gewalttaten gegen Muslime und Juden in den USA zu verurteilen. Nach Charlottesville beklagte er lediglich "Gewalt von vielen Seiten."

© Tous droits réservés Süddeutsche Zeitung. Fourni par Süddeutsche Zeitung Archiv
Tages-Anzeiger, 20/07/2019
Ausgetanzt – Billy Elliot spielt jetzt einen Neonazi

Darsteller Jamie Bell brilliert nicht nur als Rechtsextremer in «Skin», auch als bester Freund von Elton John in «Rocketman» macht er eine gute Figur.

De Matthias Lerf 

Keiner kennt ihn so. Von der Stirn bis zu den Zehenspitzen ist er tätowiert. Der Blick ist leer, der Mund verkniffen. Wenn er ihn auftut, schreit er rechtsextreme Parolen. Seine Wut lässt er an allen aus, die ihm in den Weg kommen. Klar, dass er so Furcht verbreitet. «Ich hatte ja selber Angst, wenn ich mich im Spiegel sah», sagt Jamie Bell.

Der britische Schauspieler, der in «Skin» einen Neonazi spielt, tanzte sich mit seiner allerersten Filmrolle in die Herzen des Publikums: Er spielte den Arbeiterjungen Billy Elliot, der gegen den Willen des Vaters nicht den Boxunterricht besucht, sondern das Ballett. «Billy Elliot» wurde zu einem Filmhit, aber das ist 19 Jahre her. Jamie Bell, inzwischen 33 Jahre alt, weiss es genau: «Ach, schreiben Sie doch bitte, das sei letztes Jahr gewesen. Ich weiss auch nicht, wie die Zeit so schnell vergangen ist.»

Es ist ja nicht so, dass Jamie Bell nach dem Welterfolg nichts mehr gedreht hätte. Im Gegenteil, er arbeitete für so renommierte Regisseure wie Steven Spielberg (war dort der rasende Reporter im «Tintin»-Film), Clint Eastwood (als junger Soldat in «Flags of Our Fathers») und Lars von Trier (als sehr entspannter Sadist in «Nymphomaniac»).

Gegenwärtig ist er auch im Elton-John-Film «Rocketman» zu sehen, wo er als Freund und Songschreiber Bernie Taupin so etwas wie der ruhende Pol im schrillen Film ist. Inzwischen wird er dafür bereits als Oscaranwärter für die beste Nebenrolle gehandelt. Trotzdem begleitet ihn Billy Elliot ständig. Aber die Vermutung, er habe die teuflische Rolle in «Skin» gewählt, um das Balletjungen-Image endgültig loszuwerden, weist er weit von sich. Was ihn interessierte, war die Veränderung seines Gesichts.

«Manche Menschen attestieren mir seit der Beginn meiner Karriere, ich hätte ein Engelsgesicht», erzählt Jamie Bell, «inzwischen habe ich herausgefunden, dass es mit meinen Ohren zu tun haben muss.» Ihn habe überrascht, wie man aus diesem Engel rein optisch einen Teufel machen kann.

Nattiv hat bereits einen Oscar gewonnen

«Skin» ist die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte von Bryon Widner, sozusagen dem Juniorchef einer rechtsextremen Clique, die im US-Hinterland Angst und Schrecken verbreitet. Nach der Begegnung mit einer Frau und ihren Kindern beginnt er umzudenken und versucht auszusteigen. Das dokumentiert er auch äusserlich: In einem langwierigen und schmerzhaften Prozess lässt er sich die Tattoos mit ihren extremen Parolen und Symbolen am ganzen Körper wieder entfernen.

Klar ist das plakativ. Der israelische Regisseur Guy Nattiv setzt in seinem ersten US-Spielfilm nicht auf Subtilitäten, sondern auf die Wucht der Inszenierung und des Spiels der exzellenten Schauspieler. Nattiv darf sich seit diesem Winter übrigens Oscargewinner nennen, er gewann die Auszeichnung für den besten Kurzfilm. Dieser hiess ebenfalls «Skin» und spielt in einer ähnlichen Szene wie jetzt der Kinofilm. Auch darin gings um Hass und Tätowierungen.

Um diese anzubringen, sass ­Jamie Bell drei Stunden in der ­Maske. «Regisseur Nattiv hatte ursprünglich viele Nacktszenen geschrieben, die wir aus Budgetgründen bald einmal zu streichen begannen», berichtet der Schauspieler. So konnte das Verfahren abgekürzt werden. «Manchmal habe ich die Tätowierungen auch behalten und bin so auf die Strasse gegangen. Ich wollte herausfinden, wie sich das anfühlt.» Wie? «Gespenstisch. Die Menschen fürchteten sich offensichtlich wirklich vor mir. Sogar meine Frau sagte mir manchmal am Abend, ich solle mich beruhigen, ich sei viel aufbrausender als sonst.»

Bell liebt Arsenal und hasst alle anderen Clubs

Verheiratet ist Bell mit der Schauspielerin Kate Mara («House of Cards»), die beiden haben seit dem Frühling eine Tochter. Er ist einer der sanftmütigsten und offensten Schauspieler in der Szene. Aber auch er kennt das Gefühl, sich in einer anonymen Masse mitreissen zu lassen: «Wenn ich zum Fussball gehe, liebe ich mein Team Arsenal und hasse alle anderen. Ganz besonders Tottenham.»

Und das Tanzen, hat er das aufgegeben? Nein, er trainiert ab und zu, die Körperlichkeit kommt ihm auch in Rollen wie «Skin» zugute. Auch auf der Leinwand möchte er es wieder einmal tun: «Fürs Leben gerne würde ich Fred Astaire spielen, diesen eleganten, klassischen Tänzer einer längst vergangenen Ära.» Auch das traut man ihm sofort zu.

© Tous droits réservés Tages-Anzeiger. Fourni par Tages-Anzeiger Archiv
Videokritik
/ SRF
de / 25/07/2019 / 02‘08‘‘

Reportage: Rechtsextremismus in den USA: Die Geister der Vergangenheit
/ ARTE
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Reportage: Neonazis in den USA
/ Spiegel TV
en / 10/02/2018 / 55‘01‘‘

My descent into America's neo-Nazi movement & how I got out
/ TEDx Talks
en / 19/12/2017 / 20‘30‘‘

Charlottesville: Race and Terror
/ Vice
en / 13/08/2017 / 22‘04‘‘

Interview with former neo-Nazi Christian Picciolini
De / National Public Radio
en / 6‘24‘‘

Données du filmo

Genre
Drame
Durée
117 Min.
Langue originale
Anglais
Ratings
cccccccccc
ØVotre évaluation6,9/10
IMDB:
7,0 (11796)
Cinefile-User:
< 10 votes
Critiques :
6,7 (3) q

Casting & Equipe techniqueo

Jamie BellBryon Widner
Danielle MacdonaldJulie Price
Daniel HenshallSlayer
PLUS>

Bonuso

iVidéo
Videokritik
SRF, de , 02‘08‘‘
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gPresse écrite
Critique Le Bleu du Miroir
Amandine Dall'omo
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Critique The Guardian
Charles Bramesco
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Critique Variety
Dennis Harvey
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Critique Süddeutsche Zeitung
Annett Scheffel
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Critique Neue Zürcher Zeitung
Jürg Zbinden
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Bericht über Amerikas Rechtsextreme
Süddeutsche Zeitung / Jana Anzlinger und Veronika Wulf
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Porträt von Jamie Bell
Tages-Anzeiger / Matthias Lerf
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Interview with former neo-Nazi Christian Picciolini
National Public Radio / en / 6‘24‘‘
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